Personzentrierte Weiterbildung
Jennifer Angersbach zertifiziert durch die GwG e.V und DGfB e.V.
 


Wenn alle Berater:in heißen: Warum Vertrauen dein schärfstes Marketinginstrument ist


Nach einerStunde auf LinkedIn oder Instagram stellt man fest, es hat sich viel getan im Bereich Mental Health. Leider nur in eine völlig falsche Richtung: Der Beratungsmarkt ist voll geworden und dennoch gibt es nicht ausreichend Angebote. 
Wer in diesem Umfeld eine Beratungspraxis aufbaut oder wachsen lassen möchte, steht vor einer Frage, die sich eben nicht mit einem Marketingleitfaden beantworten lässt. Denn professionell aussehen und kluge Texte verfassen, das lässt sich mittlerweile per Knopfdruck generieren - ob als Coach mit oder ohne Zertifikat.


Worum es eigentlich geht


Der Begriff „Coach" ist in Deutschland nicht geschützt. Das bedeutet: Jede Person darf sich so nennen, unabhängig von Ausbildung, Erfahrung oder fachlichem Hintergrund. Eine logische Konsequenz dieser ungeschützten Berufsbezeichnung ist ein sehr uneinheitliches Verständnis dessen, was man eigentlich unter Coaching zu verstehen hat. Für Klient:innen, die das erste Mal eine Beratung suchen, ist das eine echte Orientierungsherausforderung. Sie können die Qualität eines Angebots nicht einschätzen, bevor sie es erlebt haben, manchmal auch danach nicht.
Die Zahl aktiver Coaches ist von rund 71.000 im Jahr 2019 auf schätzungsweise über 167.000 im Jahr 2025 gewachsen. Mehr als eine Verdopplung in sechs Jahren. Das bedeutet aber eben nicht, dass der Markt gesättigt wäre, denn der Bedarf nach psychosozialer Begleitung wächst genauso und viele dieser 'Coaches' haben einfach keine wirklichen Angebote, sondern verkaufen aufgezeichnete Videokurse oder verstehen unter Coaching, Dir zu erklären, wie sie mit Deinem Problem umgehen würden. 
Das Käuferverhalten zeigt einen Trend zu einer bewussteren Auswahl, bei der neben Fachkompetenz vor allem Aspekte wie Vertrauensaufbau, Ergebnisorientierung und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Wer sucht, schaut heute genauer hin. Wer schaut, merkt schnell, ob jemand wirklich etwas zu sagen hat oder ob der Content vor allem Content ist. So zumindest die Hoffnung.


Was das für deine Positionierung bedeutet


Ich erlebe in meiner eigenen Praxis und in der Begleitung von Kolleg:innen immer wieder das Selbe: Da ist jemand, der fachlich wirklich gut ist, über echte Erfahrung verfügt, mit Haltung arbeitet, und der trotzdem kaum gebucht wird. Gleichzeitig boomt der Account von jemandem, der gestern die Coaching-Ausbildung abgeschlossen hat und heute Videos postet, als wäre er bereits seit zwanzig Jahren in der Branche.
Das frustriert. Und das Frustrationsgefühl ist berechtigt.
Die Antwort darauf ist nicht, das zu kopieren. Qualität in Training, Beratung und Coaching zeigt sich nicht nur in der Durchführung, sondern bereits in der Auftragsklärung, der methodischen Transparenz und der Wirksamkeitsüberprüfung. Das ist eine nüchterne Formulierung für etwas, das du vermutlich intuitiv weißt: Wer du bist, wie du arbeitest und worauf du dich gründest, das ist sichtbar. Auch dann, wenn du es nicht explizit ausschreibst. Und umgekehrt.
Vertrauen entsteht nicht durch Reichweite. Es entsteht durch Wiedererkennung. Durch eine Stimme, die konsistent klingt. Durch einen Text, der so klingt wie das nächste Gespräch mit dir. Durch die Bereitschaft, eine Position einzunehmen, statt es allen recht zu machen und Dein Angebot genau dadurch zu verwässern.


Was du daraus mitnehmen kannst


Der häufigste Fehler, den ich beobachte, ist, dass Berater:innen über ihre Methoden sprechen, statt über das Erleben ihrer Klient:innen. Sie schreiben „Ich biete personzentrierte Beratung an", oder schlimmer "psychologische Beratung" aus Sorge der Fachbegriff "PERSONZENTRIERT" sei zu holprig. 
Wenn Du jedoch über das Erleben sprichst, holst Du Deine Zielgruppe direkt dort ab, wo ihr in der Begleitung weitermacht: „Du kommst mit dem Gefühl, dass du dich selbst irgendwo verloren hast, und wir schauen gemeinsam, wo du geblieben bist." 
Das zweite, was ich für entscheidend halte: Zertifizierungen und Verbandsmitgliedschaften. Ja, das sind keine Pflichtangabe im Impressum. Sie sind Orientierungspunkte für Menschen, die sich nicht auskennen. Jemand, der zum ersten Mal eine Beratung sucht, weiß nicht, was GwG bedeutet, aber er sieht dieses Siegel und kann auch nachprüfen, wer das Zertifikat verliehen hat. Wenn du erklärst, was deine Ausbildung bedeutet, welchen Standards du folgst, warum Du Dich für diesen Verband entschieden hast und nicht für einen anderen, dann ist keine langweilige Eigenwerbung, sondern eine Einladung zur Orientierung.
Das Dritte ist unbequemer, weil es bedeutet, auf etwas zu verzichten: Nicht jeder Trend muss mitgemacht werden. Klienten suchen vermehrt gezielt nach speziellen Themenprofilen, die feinere Schattierungen relevanter Herausforderungen abdecken. Wer versucht, alle anzusprechen, spricht niemanden wirklich an. Eine klare Positionierung, auch wenn sie das Themenspektrum eingrenzt, macht dich für die richtigen Menschen findbar. Und das ist letztlich, was du willst: nicht möglichst viele, sondern die passenden Anfragen.


Wo es schwierig wird


Klare Positionierung fühlt sich zunächst wie Verlust an, weil das eingrenzen ja auch den ein oder die andere ausgrenzt. Und wer auf Zertifikate hinweist wirkt vielleicht arrogant? Erhaben? Und wer eben eher durch Tiefe und Ruhe überzeugt der ist offensichtlich leiser als der Marktschreier nebenan. 
Oft stecken hinter diesen Sorgen aber noch ganz andere Aspekte. Angst, finanzielle Sorgen, Unsicherheit vielleicht auch ein Hauch von Imposter-Syndrom: Bin ich gut genug, damit es reicht, einfach da zu sein?
Die Antwort ist ja. Aber „einfach da sein" bedeutet nicht unsichtbar sein. Es bedeutet, so sichtbar zu sein, dass die richtigen Menschen Dich erkennen, wenn sie dich finden.
Das ist die eigentliche Arbeit. Nicht die Caption, nicht der Posting-Plan, nicht die Hashtag-Strategie. Sondern die Frage: Was macht deine Art zu arbeiten erkennbar? Und wie übersetzt Du das in Deine Sprache und Deine Texte?


Quellen & Literatur

Certycoach – Wie entwickelt sich der Coaching-Markt? – certycoach.com, Februar 2026 – https://www.certycoach.com/blog/wie-entwickelt-sich-der-coaching-markt/
Coaching-Magazin – Ökonomische Analyse Coaching-Markt – coaching-magazin.de – https://www.coaching-magazin.de/wissenschaft/oekonomische-analyse-coaching-markt
Coaching & Ausbildung – Coaching-Marktanalyse 2025/2026 – coachingausbildungen.ch, Januar 2026 – https://www.coachingausbildungen.ch/coaching-markt-schweiz-trends-2025-2026-analyse/
BDVT e.V. – Honorarempfehlung 2026 für Training, Beratung und Coaching – bdvt.de, Dezember 2025 – https://www.bdvt.de/bdvt/aktuelles/meldungen/Honorarempfehlungen-2026.php